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Oberliga Niedersachsen 2010/11 - Spielbericht

2. Spieltag - Freitag, 13.08.2010 - 20:00
Kickers Emden - SV Drochtersen/Assel 1:0 (1:0)






Habben-Tor sorgt für gelungene Emder Heimpremiere
Kickers-Angreifer traf gegen Drochtersen/Assel früh zum goldenen 1:0

Der Sieg der überlegenen Ostfriesen hätte höher ausfallen müssen. Die Gäste verpassten durch einen Pfostenschuss kurz vor Schluss einen glücklichen Punktgewinn. „Ich bin froh, dass die Jungs für ihren Kampfgeist belohnt wurden“, sagte BSV-Trainer Uwe Groothuis.

VON INGO POPPEN

Emden – Andreas Gerdes-Wurpts schüttelte mit dem Kopf, als er sich nach dem Schlusspfiff auf den Weg in die Kabine machte. „Ich bin einfach nur froh, dass das Team meinen Ausfall heute so gut kompensieren konnte.“ Die Erleichterung stand ihm bei dieser Aussage ins Gesicht geschrieben. Mit „Ausfall“ meinte der Kapitän von Fußball-Oberligist Kickers Emden allerdings keine verletzungsbedingte Zwangspause. Vielmehr veranlasste den 30-Jährigen seine fehlende Cleverness vor dem gegnerischen Gehäuse zu diesem Ausdruck. Der Kickers-Torjäger vergab beim Heimspiel der Ostfriesen gegen den SV Drochtersen/Assel vier hochkarätige Möglichkeiten. Trotzdem durfte sich Gerdes-Wurpts nach der Partie über einen verdienten 1:0-Erfolg freuen.

Vor allem Gerdes-Wurpts‘ Sturmpartner Martin Habben war für die gelungene Emder Heimpremiere verantwortlich. Der 23-jährige Neuzugang erzielte bereits nach acht Minuten das goldene Kickers-Tor und strahlte nach der Partie mit dem Flutlicht um die Wette. „Es ist ein richtig tolles Gefühl, das erste Spiel vor eigenem Publikum zu gewinnen“, sagte Habben und lachte. „Wenn man als Stürmer dann auch noch das entscheidende Tor macht, darf man sich wirklich nicht beklagen.“ Dabei nutzte der agile Angreifer eine Hereingabe von Julian Bennert, die er aus dem Gewühl heraus in den Maschen unterbrachte. „Begegnungen mit 1:0 für sich zu entscheiden, ist für uns Fußballer eine schöne Sache“, so Habben. „Trotzdem hätten wir unsere vielen Gelegenheiten konsequenter nutzen und weitere Treffer schießen müssen.“

Bereits sechs Minuten nach der Kickers-Führung hatten die 534 Zuschauer erneut den Torschrei auf den Lippen. Doch Gerdes-Wurpts köpfte einen von Thilko Boekhoff getretenen Eckball knapp über die Latte (14.). Auch Kevin Nennhuber verfehlte das Ziel nur um Zentimeter (23.), ehe Drochtersens Innenverteidiger Igor Martens mit einem Kopfball für die erste Torannäherung der Gäste aus dem Landkreis Stade sorgte (24.). Nachdem Gerdes-Wurpts nach einem Sololauf an D/A-Schlussmann Christoffer Schellin gescheitert war (27.), zielte erneut Igor Martens knapp am Kickers-Kasten vorbei (32.). Vor dem Seitenwechsel konnte sich Gäste-Torhüter Schellin bei einem Habben-Schuss noch einmal auszeichnen (37.). Kurz darauf verpasste der 23-Jährige eine Flanke von Gerdes-Wurpts nur denkbar knapp (41.).

So mussten sich die Ostfriesen zur Halbzeit trotz bester Möglichkeiten mit dem knappen Vorsprung zufriedengeben. „Wenn uns das zweite oder gar dritte Tor gelungen wäre, hätten wir die zweite Hälfte ruhiger angehen können“, sagte Kickers-Trainer Uwe Groothuis. Stattdessen sah er nach Wiederanpfiff, wie sein Team dem hohen Anfangstempo mehr und mehr Tribut zollte, während die Gäste immer besser ins Spiel kamen. „Am Ende waren die Jungs stehend k.o.“, gab Groothuis zu. „Trotzdem muss ich der Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen, schließlich hat sie alles gegeben und richtig gekämpft.“

Außerdem ließen die Ostfriesen ihr Offensivpotenzial immer wieder aufblitzen und sorgten durch gelungene Kombinationen für Szenenapplaus – außer im Abschluss. Da setzte sich bei Andreas Gerdes-Wurpts nämlich die Pechsträhne aus der ersten Halbzeit fort. Einen sehenswerten Fallrückzieher bugsierte D/A-Keeper Schellin gerade noch über die Torauslinie (79.). Fünf Minuten später nahm der Emder Kapitän eine Hereingabe von Denis Djokovic direkt und schoss die Kugel knapp neben den linken Pfosten (84.). Beinahe hätte sich die fahrlässige Chancenverwertung der Ostfriesen noch gerächt – Drochtersens Mittelfeldmann Daniel Gröne traf kurz vor dem Ende aus 20 Metern aber nur den Pfosten des Kickers-Gehäuses (88.). „Wenn das Ding reingeht, muss ich das Unentschieden ganz klar auf meine Kappe nehmen“, zeigte sich Gerdes-Wurpts einsichtig ob seiner vielen ausgelassenen Gelegenheiten. Musste er nicht, denn die Emder brachten das hoch verdiente 1:0 schließlich über die Zeit.

Während seine Spieler den gelungenen Heimauftritt ausgiebig mit den Kickers-Fans feierten, beobachtete Uwe Groothuis das Treiben aus einigen Metern Entfernung. „Ich freue mich sehr über die drei Punkte und bin froh, dass die Jungs für ihren Kampfgeist belohnt wurden“, sagte der BSV-Trainer. „Dieser Erfolg ist ganz wichtig für das Selbstvertrauen.“ Daran mangelt es Andreas Gerdes-Wurpts auf keinen Fall. Der 30-Jährige hatte seinen „Ausfall“ vor dem Drochtersen-Tor kurz vor der Emder Kabinentür fast schon vergessen. „Solche Tage gibt es, aber bald mache auch ich mit Sicherheit wieder die nötigen Tore.“

Statt sich weiter mit den vergebenen Chancen der vergangenen 90 Minuten auseinanderzusetzen, widmete sich Gerdes-Wurpts lieber dem goldenen Tor von Sturmpartner Martin Habben – und der daraus resultierenden Abendplanung. „So ein überzeugender Sieg muss gefeiert werden“, sagte er augenzwinkernd. „Es ist bestimmt erlaubt, wenn wir darauf anstoßen und ein Bier trinken – oder zwei…“

Die Taktik

Kickers-Coach Uwe Groothuis nahm im Vergleich zum Auftaktremis in Osterholz-Scharmbeck (0:0) zwei Änderungen vor. Die letztjährigen A-Jugendakteure André Geiken und Julian Bennert rückten für Onno Wildeboer und Marek Schmidt in die Startelf. Vor Torwart Hergen Gerdes verteidigten somit Bernd Grotlüschen, Steffen Meyer, Kevin Nennhuber und André Geiken in der Kickers-Viererkette. Die Doppelsechs bestand erneut aus Thilko Boekhoff und Gerrit Thomes, während Julian Bennert und Daniel Kulbatzki über die Außen für Druck sorgten. In der Spitze agierten der glücklose Kapitän Andreas Gerdes-Wurpts und Siegtorschütze Martin Habben.

Nach dem Seitenwechsel stellte Groothuis erneut um. Schmidt, der für Geiken eingewechselt wurde, spielte im rechten Mittelfeld. Dafür rückte Bennert nach links auf die Kulbatzki-Position. Der Ex-Oldenburger spielte als Linksverteidiger weiter und vertrat somit den ausgewechselten Geiken.

Der SV Drochtersen/Assel trat, genau wie die Ostfriesen, mit einem 4-4-2-System mit zwei zentralen Mittelfeldakteuren an. Vor dem starken Schlussmann Christoffer Schellin bildeten Markus Zimmermann, Raphael Staffeldt, Igor Martens und Meikel Klee die Viererkette. Klee hatte gegen Bennert jedoch häufig das Nachsehen, so dass D/A-Trainer Lars Jagemann bereits in der 38. Minute reagierte, Fabian Völkner für Klee einwechselte und ihn auf die Linksverteidiger-Position beorderte. Im defensiven Mittelfeld versuchten Kapitän Alexander Martens und Benjamin Zielke für Ordnung zu sorgen. Außen spielten Daniel Gröne und Corvin Behrens, während Henry Sung und Lukas Hertting als Sturmspitzen aufliefen.

Stimmen zum Spiel

Kevin Nennhuber
(Kickers-Innenverteidiger): „Wir sind wirklich fahrlässig mit den Chancen umgegangen. So mussten wir am Ende etwas zittern, aber auch eine 1:0-Führung muss man mal über die Zeit retten. Dass das der Mannschaft so gut gelungen ist, hat auch mit unserem tollen Teamgeist zu tun. Wir freuen uns sehr über den geglückten Start. Unser Ziel war es, die Zuschauer mit einer engagierten Leistung zu begeistern und dafür zu sorgen, dass beim nächsten Mal vielleicht noch mehr ins Stadion kommen. Ich denke, das ist uns heute gelungen.“

Lars Jagemann (Trainer des SV Drochtersen/Assel): „Für das Publikum war es ein tolles Spiel, für mich eher weniger. Die erste Halbzeit war sehr einseitig und wir hatten Glück, dass wir nur mit 0:1 zurücklagen. Vor allem Julian Bennert hat unsere linke Defensivseite ein ums andere Mal in große Bedrängnis gebracht, deshalb habe ich auch versucht zu reagieren. Nach der Pause konnten wir das Spiel zwar offener gestalten, aber am Ende müssen wir die Niederlage hinnehmen. Insgesamt geht das Ergebnis auch völlig in Ordnung.“


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