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Oberliga Niedersachsen 2010/11 - Spielbericht

4. Spieltag - Mittwoch, 10.11.2010 - 19:30
Kickers Emden - VfL Osnabrück II 2:1 (1:1)



Habben beendet seine Torflaute und erlöst die Kickers-Elf
Emder Stürmer erzielte entscheidendes 2:1 gegen Osnabrück II

Es war der erste Treffer des 23-Jährigen nach einer 405 Minuten langen Durststrecke. Eine Flanke von Andreas Gerdes-Wurpts verwandelte er per Kopf. „Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, sagte Habben. Durch den neunten Sieg im zwölften Spiel schlossen die Ostfriesen mit 29 Punkten zum Tabellenführer aus Cloppenburg auf.


VON INGO POPPEN

Emden – Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff lagen sie sich jubelnd in den Armen. Julian Bennert und Martin Habben hatten allen Grund, fröhlich zu sein. Schließlich avancierten die Stürmer von Fußball-Oberligist Kickers Emden beim 2:1-Sieg der Ostfriesen in der Nachholpartie gegen den VfL Osnabrück II zu den spielentscheidenden Akteuren. Während Bennert nach einer Viertelstunde für das zwischenzeitliche 1:0 gesorgt hatte, erlöste der eingewechselte Habben sein Team kurz vor dem Ende mit einem Kopfball zum 2:1-Endstand und beendete damit auch seine persönliche Torflaute. Der letzte Treffer im Kickers-Trikot war dem Neuzugang am zweiten Spieltag beim 1:0-Erfolg gegen den SV Drochtersen/Assel gelungen – vor fast genau 13 Wochen.

„Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, als der Ball im Netz war“, sagte Habben. „Es hat schließlich lange genug gedauert.“ 405 Minuten, um genau zu sein. Doch wie schon sein erstes Oberliga-Tor am 13. August machte auch Treffer Nummer zwei wieder den Unterschied aus. „Ich hatte mich schon ein wenig auf das 1:1 eingestellt“, sagte Kickers-Trainer Uwe Groothuis. Dann eroberte Bernd Grotlüschen das Spielgerät im Mittelfeld und setzte BSV-Kapitän Andreas Gerdes-Wurpts in Szene. Dessen präzise Flanke von der linken Seite nutzte Habben zum verdienten 2:1 für die Ostfriesen. „Es freut mich sehr, dass Martin nach dieser langen Durststrecke wieder getroffen hat“, so Groothuis. Begeistert war der Emder Coach auch von der Tatsache, dass seine Mannschaft nach dem neunten Sieg im zwölften Spiel auf Platz zwei rangiert – punktgleich mit Spitzenreiter Cloppenburg. „Die Jungs haben das abgerufen, was sie stark macht“, sagte der 56-Jährige. Er meinte damit vor allem Laufbereitschaft, Disziplin und eine große Portion Leidenschaft. „Deshalb ist der Erfolg letztlich auch verdient.“

Schon in der Anfangsphase hätte Kickers in Führung gehen können. Doch nach einem Lupfer von Gerdes-Wurpts klärte VfL-Kapitän Stefan Heyken gerade noch vor der Torlinie (7.). Nachdem Osnabrück durch Ex-Profi Thomas Reichenberger den ersten Warnschuss abgegeben hatte (12.), durften die Emder dann jubeln. Mittelfeldmann Thilko Boekhoff schlug einen Freistoß aus etwa 40 Metern in den Strafraum. Dort stand Youngster Bennert goldrichtig und erzielte im Fallen das 1:0 (15.). Nur zehn Minuten später hatten die 564 Zuschauer im Kickers-Stadion den Torschrei erneut auf den Lippen. Nach einem starken Zuspiel von Denis Djokovic setzte sich Bennert gegen mehrere VfL-Abwehrakteure durch und hatte auch Schlussmann Nils Zumbeel schon umspielt – der krönende Abschluss misslang hingegen. Der 19-jährige Angreifer rutschte auf dem tiefen Geläuf weg und traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz. „So eine Riesenchance muss ich natürlich nutzen“, gab Bennert hinterher zu.

Dass er es nicht getan hatte, rächte sich elf Minuten später. Nach einem umstrittenen Freistoß segelte das Leder durch den Kickers-Strafraum und landete schließlich vor den Füßen von Robin Twyrdy, der sich die Chance nicht entgehen ließ – 1:1 (36.). An diesem eher überraschenden Ausgleich hatten die Gastgeber eine Weile zu knabbern. Die Dominanz ließ nach dem Seitenwechsel merklich nach. Bis auf einen Schuss von Daniel Kulbatzki, den VfL-Keeper Zumbeel abwehren konnte (54.), boten sich den Emdern kaum Möglichkeiten. Auf der anderen Seite hatte Kickers-Torhüter Hergen Gerdes Glück, als er den Ball nach einer Freistoßflanke von Sebastian Plog, die ihm zunächst durch die Hände geglitten war, doch noch vor der Linie zu packen bekam (56.).

Bis zur Schlussphase tat sich auf beiden Seiten wenig. In der 79. Minute wechselte BSV-Trainer Uwe Groothuis Martin Habben ein, der 120 Sekunden später bereits die erste Großchance besaß. Doch der 23-jährige Angreifer scheiterte freistehend vor dem VfL-Kasten an Zumbeel, der per Fußparade klären konnte. Es war der Auftakt einer spannenden Endphase, denn auch die Osnabrücker bekamen noch eine Chance. Einen 17-Meter-Freistoß zirkelte Plog jedoch deutlich über den Querbalken (84.).

Wesentlich exakter ging es in der nächsten Szene auf der anderen Seite zu. Es folgte die bereits beschriebene Kombination Grotlüschen – Gerdes-Wurpts – Habben, an deren Ende ein blau-weißes Jubelknäuel stand. „Wir sind dafür belohnt worden, dass wir nie aufgegeben haben“, freute sich Innenverteidiger Steven Janßen, für den der Emder Teamgeist etwas ganz Besonderes ist. „So einen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft habe ich woanders noch nie erlebt.“

Eine seltene Erfahrung machte auch Matchwinner Martin Habben, der eher weniger für seine Kopfballstärke bekannt ist. „Es hat mich selbst etwas gewundert, wie gut ich die Flanke erwischt habe“, sagte Habben und lächelte. Die Freude über das Ende seiner Torflaute war dem 23-Jährigen deutlich anzumerken. Entsprechend vergnügt feierte Habben gemeinsam mit seinen Teamkollegen und den Kickers-Fans den sechsten Sieg im siebten Heimspiel. Zwei davon entschied der Angreifer durch entscheidende Treffer nahezu im Alleingang. Bleibt zu hoffen, dass Habbens drittes Saisontor nicht erneut 13 Wochen auf sich warten lässt…

Stimmen zum Spiel
Kevin Nennhuber (BSV-Innenverteidiger):
„Spielerisch war natürlich wenig möglich. Aber wir haben alles gegeben und hatten mehrere gute Chancen. Somit geht das Ergebnis auch in Ordnung, auch wenn ich wegen des Gegentreffers nicht ganz zufrieden bin – es wird Zeit, dass wir mal wieder zu Null spielen.“

Joe Enochs (Trainer des VfL Osnabrück II): „Kickers ist verdient in Führung gegangen, die wir etwas glücklich ausgleichen konnten. In der ersten Halbzeit hat mein Team den Kampf nicht angenommen. Erst nach der Pause haben die Jungs wirklich begriffen, wie man hier auftreten muss. Leider ist uns nach vorne nicht so viel gelungen, so dass ich mit einem Remis gerechnet hätte. Für uns ist es sehr schade, dass wir keinen Punkt mitgenommen haben. Aber wenn man eine Flanke auf diesem Boden so gut vor das Tor schlägt wie es vor dem 2:1 der Fall war, gehört schon eine Menge Können dazu.“

Die Taktik
Kickers-Coach Uwe Groothuis veränderte seine Startformation im Vergleich zum letzten Ligaspiel gegen Ottersberg (1:1) nicht. Vor Torhüter Hergen Gerdes bildeten Bernd Grotlüschen, Steven Janßen, Kevin Nennhuber und Manuel Menzel die Viererkette. Davor spielten Gerrit Thomes und Thilko Boekhoff zentral. Daniel Kulbatzki und Denis Djokovic kamen über die Außenbahnen. Im Angriff liefen Julian Bennert und BSV-Kapitän Andreas Gerdes-Wurpts auf. Nach der Einwechslung von Martin Habben rückte Bennert auf die Position im rechten Mittelfeld.

Auch Osnabrücks Trainer Joe Enochs vertraute der Mannschaft, die am vergangenen Wochenende mit einem 0:0 aus Lüneburg zurückgekehrt war. Im Tor stand Nils Zumbeel, davor verteidigten Jan Meyer, Stefan Heyken, Sebastian Plog und Dimitri Vollmer. Im defensiven Mittelfeld agierten Torschütze Robin Twyrdy und Jens Buddecke. Die offensive Dreierreihe bildeten Daniel Latkowski, Kevin Samide und Yakup Akbayram. Als einzige Sturmspitze wurde Ex-Profi Thomas Reichenberger aufgeboten.


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