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Oberliga Niedersachsen 2010/11 - Spielbericht

9. Spieltag - Freitag, 01.10.2010 - 19:30
Kickers Emden - TuS Heeslingen 2:0 (1:0)



Trotz leerer Akkus gelingt die Krönung der Marathon-Woche
Kickers Emden feierte drei Siege innerhalb von sechs Tagen

Gegen den TuS Heeslingen gelang müden Ostfriesen dank der Treffer von Andreas Gerdes-Wurpts und Julian Bennert ein 2:0-Erfolg. „Das war ein ganz hartes Stück Arbeit“, sagte Rechtsverteidiger Bernd Grotlüschen. Der Mannschaft von Trainer Uwe Groothuis war die Müdigkeit anzumerken – dennoch bestimmte sie das Geschehen über weite Strecken der Partie.

VON INGO POPPEN

Emden – Die Erleichterung und Freude stand jedem von ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben. Zufrieden feierten die Oberliga-Fußballer von Kickers Emden den 2:0-Erfolg über den TuS Heeslingen am Freitagabend mit ihren Fans. Ausgelassene Freudentänze bekamen die Emder Anhänger jedoch nicht zu sehen – dafür fehlte ihren Lieblingen nach dem dritten Spiel innerhalb von sechs Tagen schlichtweg die Kraft. „Unsere Akkus sind total leer“, sagte Bernd Grotlüschen, der trotz aller Anstrengungen zufrieden lächelte. Schließlich krönte das Kickers-Team die Emder Marathon-Woche mit dem dritten Heimsieg im dritten Spiel. Nach den Erfolgen gegen Teutonia Uelzen (4:2) und Heeslingen in der Oberliga sowie dem überragenden 1:0-Triumpf im Pokal-Derby gegen den VfB Oldenburg dürfen sich die Kickers-Akteure nicht nur auf die erste DFB-Pokal-Hauptrunde 2011/2012 freuen. Denn durch den sechsten Sieg im achten Spiel setzten sie sich auch in der Oberliga-Spitzengruppe fest.

„Das war ein ganz hartes Stück Arbeit“, resümierte Grotlüschen. „Das Oldenburg-Spiel hat unheimlich viel Substanz gekostet. 48 Stunden später schon wieder auf dem Platz zu stehen, war nicht leicht für uns.“ Trotzdem bestimmten die Ostfriesen das Spielgeschehen und verpassten bereits in der Anfangsphase eine Vorentscheidung. So brachte Martin Habben das Leder nach einer Müller-Hereingabe nicht im Heeslinger Tor unter. Den ersten Versuch des Angreifers entschärfte TuS-Keeper Peter Bardehle mit einem Reflex. Zwar landete das Leder anschließend erneut vor Habbens Füßen, doch der 23-Jährige zielte im zweiten Versuch zu ungenau und verfehlte das Tor (3.).

Sechs Minuten später fühlten sich die 368 Zuschauer im Kickers-Stadion wohl an die erste Großchance erinnert. Diesmal war es Kapitän Andreas Gerdes-Wurpts, der nach einem Fehler vom Heeslinger Innenverteidiger Dominik Bremer frei vor Bardehle auftauchte. Wieder parierte der gut aufgelegte Gäste-Torhüter den ersten Schuss. Doch Gerdes-Wurpts ließ sich davon nicht beirren und beförderte die Kugel per Dropkick zum frühen 1:0 in die Maschen (9.). „Wenn es da schon 2:0 steht, können wir viel ruhiger und gelassener weiterspielen“, sagte Uwe Groothuis. Der Kickers-Trainer hatte vor dem Seitenwechsel jedoch keinen Grund, nervös zu werden. Denn obwohl seine Spieler zum dritten Mal innerhalb von sechs Tagen auf dem tiefen Emder Boden antreten und dabei eine Menge Laufarbeit verrichten mussten, kamen sie nicht in Bedrängnis. „Heeslingen war für uns ein dankbarer Gegner, weil sie einfach zu schwach gespielt haben“, sagte Grotlüschen. „Gegen ein anderes Kaliber wäre es bestimmt schwerer geworden.“

Die noch sieglosen Gäste, die vom ehemaligen DDR-Nationalspieler Torsten Gütschow trainiert werden, agierten erschreckend harm- und ideenlos. Das änderte sich zwar im zweiten Durchgang, jedoch nur bedingt. Nachdem Janis Müller BSV-Torhüter Hergen Gerdes mit einem Distanzschuss erstmals zu einer Reaktion gezwungen hatte (58.), traten die Gäste plötzlich forscher auf – und hatten Chancen zum Ausgleich. Ein abgefälschter Schuss von Mike Behrens zischte rechts am Emder Gehäuse vorbei. Den anschließenden Eckball köpfte Andreas Förster auf die Latte (64.). „Danach habe ich nur gehofft, dass wir das knappe Ergebnis irgendwie über die Zeit retten“, sagte Kickers-Innenverteidiger Steven Janßen. Denn den Ostfriesen gelang es während dieser Phase kaum einmal, für Entlastung zu sorgen. „Wir waren einfach zu platt, um noch mehr Druck zu entfachen.“

Das änderte sich eine Viertelstunde vor dem Ende. Der eingewechselte Behrens musste das Feld mit Verdacht auf Muskelfaserriss verlassen. Da das TuS-Wechselkontingent zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschöpft war, agierten die Heeslinger für den Rest der Spielzeit in Unterzahl. „Das hat uns auch etwas geholfen“, gab Janßen zu. Während die dezimierten Gäste keinen vernünftigen Angriff mehr zustande brachten, verpasste Denis Djokovic das 2:0. Seinen 14-Meter-Schuss kratzte Björn Dreyer in höchster Not von der Torlinie (77.).

Kickers gelang die vorzeitige Entscheidung trotz dieser vergebenen Großchance. Heeslingens Torwart Peter Bardehle stürzte einem langen Ball entgegen, erwischte aber auch den heranstürmenden Andreas Gerdes-Wurpts und brachte den Emder Kapitän durch seinen ungestümen Einsatz zu Fall. Schiedsrichter Achim Warnke (Syke) zeigte unverzüglich auf den Elfmeterpunkt. Der eingewechselte BSV-Stürmer Julian Bennert schnappte sich die Kugel. Er verlud Bardehle, sorgte mit dem souverän verwandelten Strafstoß für das entscheidende 2:0 und machte sich selbst auch noch ein vorzeitiges Geschenk. Schließlich wird der Emder Youngster, der bereits vier Saisontore erzielt hat, am heutigen Samstag 19 Jahre alt.

Auf den Tag genau neun Jahre älter ist Bennerts Teamkollege Steven Janßen. Der Innenverteidiger hatte wenige Stunden vor seinem 28. Ehrentag bereits klare Geburtstags-Vorstellungen. „Ich werde gemeinsam mit meiner Freundin einen Wellness-Tag auf Borkum genießen“, verriet Janßen lächelnd. Frische Nordseeluft, Massagen und Entspannung pur – kein schlechtes Wohlfühl-Programm, um einen leeren Akku nach der kräftezehrenden Emder Marathon-Woche wieder aufzuladen...

Stimmen zum Spiel
Uwe Groothuis
(Trainer des BSV Kickers Emden): „Es war sicher kein schönes Spiel, aber ich bin auch mit ‚dreckigen‘ drei Punkten hoch zufrieden. Man konnte meinen Jungs in nahezu jeder Szene anmerken, dass sie mit ihren Kräften am Ende waren. Trotzdem haben sie noch einmal alles gegeben. Natürlich hatten wir in zwei Situationen nach der Pause auch ein wenig Glück. Für uns ging es heute aber nur darum, das Spiel zu gewinnen – egal wie. Ich bin sehr froh darüber, dass wir dieses Ziel erreicht und die ganze Woche so hervorragend überstanden haben.“

Torsten Gütschow (Trainer des TuS Heeslingen): „Kickers hat wirklich eine fantastische Woche hingelegt. Wir hatten uns viel mehr vorgenommen und wollten ausnutzen, dass den Emdern vor allem das Pokalspiel noch in den Knochen steckt. Doch gelungen ist uns leider viel zu wenig. Wir haben es absolut nicht geschafft, gegen ein clever agierendes BSV-Team Druck zu machen. Ich hoffe, dass wir trotz der personell angespannten Lage am kommenden Wochenende endlich unseren ersten Sieg einfahren können und auch das Glück zurückkehrt. Kickers wünsche ich für den weiteren Saisonverlauf alles Gute. Sie stehen zu Recht ganz weit oben. Es wäre schön, wenn sie in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde auch ein wenig Losglück hätten.“

Die Taktik
Kickers agierte im gewohnten 4-2-2-2-System. Uwe Groothuis hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Pokal-Derby gegen Oldenburg auf zwei Positionen verändert. Die Defensive war davon jedoch nicht betroffen. Vor Schlussmann Hergen Gerdes verteidigten Bernd Grotlüschen, Steven Janßen, Kevin Nennhuber und Manuel Menzel. Das defensive Mittelfeld wurde von Gerrit Thomes und Thilko Boekhoff besetzt. Während auf der rechten Außenbahn wieder Malte Müller von Beginn an ran durfte, ersetzte Onno Wildeboer auf der linken Seite Daniel Kulbatzki. Auch im Angriff gab es eine Änderung. Neben Kickers-Kapitän Andreas Gerdes-Wurpts erhielt Martin Habben eine Chance. Er blieb jedoch glücklos. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde dann der zunächst geschonte Youngster Julian Bennert eingewechselt – und bewies beim Elfmeter zum 2:0 seine Kaltschnäuzigkeit.

TuS-Trainer Torsten Gütschow musste wegen mehrerer verletzungsbedingter Ausfälle improvisieren. Die Viererkette vor Torhüter Peter Bardehle bestand aus Matthias Kirsch, Björn Dreyer, Dominik Bremer und Janis Müller. Im zentralen Mittelfeld agierten Lukas-Oliver Weihe und Andreas Förster. Rafail Asbuchanow und Mirko Lippold sollten über die Außenbahnen für Druck sorgen, was ihnen allerdings nicht gelang. Im Angriff bot Gütschow Nils Laabs, der im Pokalspiel gegen Kickers vor dreieinhalb Wochen noch Defensivaufgaben übernommen hatte, und Oliver Gerken auf.


Zevener Zeitung

„Wir müssen Ruhe bewahren“

VON SIEGBERT DEMMER

EMDEN. Der TuS Heeslingen steht auch nach dem 9. Spieltag der Oberliga Niedersachsen immer noch mit leeren Händen da. Obwohl die Elf von Torsten Gütschow in Emden eine gute Leistung bot, unterlag das Team am Ende mit 0:2 (0:1). Trotz der erneuten Schlappe bleibt man im Lager des TuS zuversichtlich, dass sich das Blatt bald wenden wird. „Wir müssen jetzt Ruhe bewahren. Die Personalsituation entspannt sich, die Mannschaft ist engagiert und der Erfolg wird sich schon bald einstellen“, so Gütschow.

Dabei hätte es auch in Emden zum ersten Sieg reichen können. Zwar war die TuS-Defensivabteilung beim 1:0 durch Andraes Gerdes-Wurpts (9.), der Peter Bardehle im Nachschuss bezwang, machtlos, ansonsten machten der wieder genesene Dominik Bremer und seine Mitspieler aber ein gutes Spiel. „Die Abwehr hat heute über weite Strecken überzeugt. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass Thomas Johrden und Jan Koch bald ins Team zurückkehren werden, so dass wir in Kürze wieder einen eingespielten Abwehrblock ins Rennen schicken können.“

Gegen Kickers Emden war der aber gar nicht vonnöten, denn die Gastgeber machten nach der frühen Führung nur das nötigste und verwalteten den knappen Vorsprung. „Man hat gemerkt, dass die Platzherren schwere Beine hatten. Ihnen steckte doch noch das Pokalspiel vom Mittwoch in den Beinen. Wären wir ein bisschen cleverer gewesen, hätten wir den ersten Saisonsieg einfahren können“, so Gütschow mit Blick auf eine überlegen geführte zweite Halbzeit, in der sich der TuS Heeslingen eine ganze Reihe guter Möglichkeiten erspielte.

Aber wie schon in den Spielen zuvor ließen Sead Kucevic und seine Mitstreiter selbst beste Chancen ungenutzt. Stattdessen trafen die Gastgeber ein weiteres Mal. Nach einem angeblichen Foul von Peter Bardehle entschied der Unparteiische auf Strafstoß für Emden. Diese Chance ließ sich Julian Bennert nicht entgehen und traf zum 2:0-Endstand (85.).

„Das Tor war nicht mehr wichtig. Hätten wir unsere Chancen genutzt, wäre die Partie anders gelaufen. Aber Fußball wird nun mal nicht mit ,hätte, wenn und aber‘ entschieden. Was zählt, das sind die Tore und das macht im Moment noch den Unterschied“, so Gütschow, der mit dem Auftritt seiner Elf insgesamt zufrieden war, in Punkto Einstellung aber noch Gesprächsbedarf sieht.

„Die Talente wie Oliver Gerken oder Janis Müller haben heute wirklich überzeugt. Leider kann ich das nicht von allen Spielern sagen. Ich habe das Gefühl, dass einige immer noch nicht kapiert haben, dass wir in dieser Liga nur dann bestehen können, wenn wir wirklich alles geben. Wenn sich das nicht ändert, darf sich der ein oder andere etablierte Spieler nicht wundern, wenn er mal ein Spiel von der Bank erlebt. Auf dem Platz will ich Spieler sehen, die leidenschaftlich und mit ganzem Herz bei der Sache sind“, so Gütschow nach dem Abpfiff.


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