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Oberliga Nordost Nord 2017/18 - Spielbericht

5. Spieltag - Samstag, 16.09.2017 - 14:00
FC Anker Wismar - SV Altlüdersdorf 1:6 (0:2)

Taktikschema ist eine mögliche Variante.




Unparteiischer schickte drei Ankerspieler vorzeitig vom Platz

„Never change a winning team“ - nach diesem Motto war Ankertrainer Christiano Dinalo Adigo bei diesem dritten Heimspiel vorgegangen. Er schickte die gleiche Startelf wie beim klaren 4:0-Auswärtssieg vor einer Woche in Schwerin auf das Feld. Den vom FC Schönberg 95 nach Wismar gewechselten Stürmer Henry Haufe ließ Adigo nach seiner Rotsperre erst einmal auf der Bank. SVA-Coach Dariusz Buicinski hatte seine Elf auf drei Positionen nach dem 1:5 in Staaken verändert.

Die Partie begann mit knapp 15-minütiger Verspätung, da die Gäste Probleme mit der Deutschen Reichsbahn hatten und später anreisten. Das Schiedsrichterteam bat um einen späteren Anpfiff, die Hausherrn stimmten aus sportlichen Gründen zu.

Doch danach lief alles gegen die Gastgeber, denn bereits in der zweiten Minute zeigte der Unparteiische nach einer Attacke von Ankerkeeper Mauritz Mißner gegen Grabczewski auf den Elfmeterpunkt. Die einzige richtige Entscheidung in diesem Spiel! In der Folgezeit war Altlüdersdorf nur noch bemüht, mit äußerst aufreizendem Zeitspiel und Kontern zum Erfolg zu kommen. Und das gelang, denn als sie zum zweiten Mal Richtung Ankertor stürmten, gelang ihnen der Treffer zum 2:0-Pausenstand.

Danach begann der große Auftritt des Unparteiischen aus Berlin. Als Erstes traf es Abwehrchef Philipp Unversucht, den er noch vor der Pause nach einem harmlosen Foul in die Kabine schickte. Nach gut einer Stunde folgte dann Marco Bode, ebenfalls nach einem Foulspiel. „Es waren jeweils normale Zweikämpfe. Eine gelbe Karte kann man akzeptieren, doch niemals Platzverweise“, so Mannschaftskapitän Philipp Unversucht nach dem Spiel.

Aber es wurde noch kurioser. In der 48. Minute wechselten die Gäste einen Spieler mit einer Trikotnummer ein, die nicht auf dem Spielberichtsbogen stand. Ein Unding, denn es gab keine Einwände vom Schiedsrichtertrio. In der 79. Minute dann der dritte Platzverweis. Nachdem er in der 71. Minute den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:4 erzielt hatte, war Kevin Mbengani in der 79. Minute erneut über die rechte Seite in den Altlüdersdorfer Strafraum eingedrungen. Obwohl dort gefoult, musste Mbengani wegen einer angeblichen Schwalbe ebenfalls vorzeitig unter die Dusche. Die geschockten Ankerspieler fanden so über die gesamte Spielzeit keine Bindung zu dieser Partie und werden in der kommenden Woche sicher mehr mental als spielerisch aufgebaut werden müssen.

Sehr angefressen war natürlich auch Ankertrainer Dinalo Christiano Adigo. „Es ist einfach nicht zu verstehen, dass ein Unparteiischer bereits zum zweiten Mal in unserem Stadion eine solche Leistung abliefert. Der Elfmeter war berechtigt, alle weiteren Platzverweise absolut nicht. Damit wird eine komplette Woche harter Trainingsarbeit zunichte gemacht. Zudem wirken sich die Platzverweise ja auch noch auf die nächsten Wochen aus“, ist der Ankertrainer noch lange nach dem Spiel fassungslos über das Erlebte.

Bernhard Knothe


Schon nahe einer Sensation

Die Vorzeichen standen für den SV Altlüdersdorf nicht so günstig. Kapitän Owczarek verletzt, Stellvertreter Hegert rotgesperrt, Salhab und Gras waren krank. Zudem sei „Wismar definitive eine ohnehin schwere Aufgabe, da sie vor der Saison als ein Team gehandelt wurde, das oben mitspielen werde“, so Kevin Owczarek, der aber als moralische Stütze sein Team begleitete. Und zu allem Überfluß musste „Nun-Kapitän“ Sven Marten bereits nach zwölf Minuten verletzt vom Platz.

Es hätte eigentlich nicht schlimmer kommen können. Hätte. Die erste Hiobsbotschaft aber schon am Morgen. Der „Regio“ nach Gransee fuhr nicht und so mussten die Akteure mit diversen Autos zusammengesammelt werden. Anschließend weiter per Reisebus, der unfallbedingt auch noch im Stau aufgehalten wurde. Freundlicherweise stimmten Gegner Wismar und das Schiedsrichterkollektiv einem 10-minütigem späteren Anstoß zu. Danke dafür.

Zum Spiel selbst: Wismar, klar in der Favoritenrolle, sorgte mit einer gefährlichen Eingabe von Sahid Wahab bereits in der ersten Minute für die erste Chance. Doch daraus entwickelte sich auch die erste Gästemöglichkeit. Maciej Grabczewski war nach langem Abschlag rechts durch und wurde von Anker–Keeper Mauritz Mißner unsanft und überflüssig von den Beinen geholt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Faruk Sentürk sicher (2.).

In der Folge war Anker angestachelt. Man entwickelte offensiv ein optisches Übergewicht. Die letzte Torgefahr blieb dabei zumeist aber aus. Und wenn es sie gab, verteidigte Altlüdersdorf aufopferungsvoll. Nach langem Schlag von Marco Bode scheiterte Kevin Mbengani allein gegen SVA–Keeper Georgios Kitsos (23.). Fünf Minuten später wurden Torschüsse der Wismarer gleich doppelt von der Gästeabwehr abgeblockt. Zunächst der von Wahab, dann von Lucas Vierling (28.). Und auch Guilherme Esteves Lima fand in Kitsos zweimal seinen Meister. Erst mit einem Kopfball (35.), dann im 1:1 nach Vorlage von Marllex Abdulai (36.).

So kam es wie so oft im Fußball. Der Gast setzte einen Konter. Kerim Yesilöz schickte mit einem Pass in die Gasse über die linke Seite Kamil Zielinski. Dessen flache Eingabe bugsierte Jakub Klimko mit etwas Glück über die Linie – 0:2 (37.). Das forderte Anker nun richtig heraus. Antwort. Ecke Mbengani und den Kopfball von Sebastian Schiewe parierte Kitsos bravourös (41.). Doch in der nächsten Aktion wenig später spielte schon etwas Frust mit. Grabczewski war rechts an der Außenlinie durch. Philipp Unversucht „senste“ ihn um und sah folgerichtig die Rote Karte (42.). Nun die Gäste auch noch in Überzahl und der Unmut gegenüber Schiedsrichter Husmann nahm hörbar zu.

Nach der Pause und der Einwechslung von zwei frischen Leuten war Anker gewillt, noch etwas zu ändern. Freistoß von Ivanir Pais Rodrigues und Abdulai köpfte knapp drüber (47.). Kurz danach erneuter, verletzungsbedingter Wechsel bei den Gästen. Und es folgte ein Konter aus dem Lehrbuch. Klimko spielte Zielinski mustergültig frei, doch der setzte das Leder links am Tor vorbei – unfassbar (50.).

Doch Altlüdersdorf nutzte nun in Überzahl mehr und mehr clever die sich bietenden Räume. So als nach einem Freistoß von Burak Aktas sich Grabczewski und Zielinski per Doppelpass freispielten und Letzterer diesmal sicher abschloss (59.). Ja, was war hier denn los? Und es sollte noch bitterer für Wismar kommen. Nach einem Zweikampf trat Marco Bode nach. Prompt folgte die nächste Rote (66.). Und der Schiri wurde zunehmend zum „Buhmann“ erkoren. Die Unterschätzung des Gegners und dessen bessere Taktik sowie die eigene doch schwache Leistung spielten kaum eine Rolle.

Noch waren aber zwanzig Minuten zu spielen. Mißner wehrt einen Schuss von Yesilöz zur Ecke ab. Eckball für SVA von Sentürk, abgewehrt. Der flankte sofort wieder scharf nach innen. Szymon Sidorowicz lief ein und ließ dem Torhüter per Kopf keine Chance (70.). Nur eine Minute später ließ sich die SVA–Defensive im Gefühl des sicheren Sieges über rechts von Mbengani düpieren. Ehrentreffer zum 1:4 (71.).

Doch die Lila–Weißen spielten in doppelter Überzahl nun ihre Vorteile weiter fast gnadenlos aus. Eine Eingabe von Klimko beförderte Abdulai beim Abwehrversuch ins eigene Tor (78.). Und als Mbengani auf der anderen Seite beim Versuch, einen Strafstoß zu schinden, auch noch vorzeitig vom Feld musste (Gelb/Rot 79.), war das „Fass der Kritik“ gegen das Schiedsrichter–Gespann am Überlaufen.

Zu guter Letzt belohnte sich endlich auch noch der eminent einsteckende, aber auch fleißige Grabczewski noch verdientermaßen. Nach einer Flanke von Yesilöz versenkte er das Leder zum sechsten Gästetreffer (80.). Ein absolut unerwarteter Ausgang in allen Richtungen. Sowohl die Höhe als auch die Leistungen beider Mannschaften sorgten dafür.

Und die Schuld nur beim Sschiedsrichter–Kollektiv oder in einer falschen Trikotnummer zu suchen, wäre m.E. falsch und zu einfach.

Dirk Wieland




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